Roadtrip durch Südspanien

Der Trip in aller Kürze:

Route: Hamburg – Malaga – Casares – Tarifa – El Puerto de Santamaria – Sevilla – Malaga – Hamburg
Flug: Hamburg – Malaga mit Ryanair
Mietwagen: Marbenjo Car Hire via Sunny Cars
Unterkünfte: Hotel Campanile Malaga, danach im Zelt, u. a. hier: Camping Parque Tropical,
Campingplatz Rio Jara, Camping Las Dunas
Playlist: Liedfett, Eljot Quent,
Dauer: 2 Wochen

Hamburg – Malaga
„Komm, wir machen einen Roadtrip durch Spanien und schauen mal, was so passiert.“ So lautet unser Reise-Motto, als wir in Hamburg unseren Ryanair-Flieger Richtung Malaga besteigen und uns nur wenige Sekunden später über die nicht vorhandene Beinfreiheit freuen. Aber wer Low-Budget reisen will, darf sich diesbezüglich nicht beschweren, finde ich.

Am Malaga-Airport halten wir Ausschau. Unser Mietwagen-Shuttle von „Marbenjo Car Hire„, vermittelt über Sunny Cars, soll uns höchst persönlich am Terminal abholen und trotz später Ankunft gegen 22 Uhr noch zu unserem Mietwagen bringen. Und tatsächlich: Da steht ein junger, attraktiver Spanier, der allerdings weder lächelt, noch einen Ton heraus bekommt. Gut, ich wäre auch angepisst, wenn ich Überstunden machen müsste… also verzeihen wir ihm, als er die Shuttle-Tür schließt und den Motor startet. Doch schon bald wird klar: Wohin zur Hölle fährt der Kerl? Denn in guter, alter Horrorfilm-Manier steuert der schweigende Südländer das Auto direkt in ein dunkles Industriegebiet, wo wir schließlich auf einen spärlich beleuchteten Parkplatz fahren. Das war’s dann wohl, denke ich, und visualisiere bereits meine zerhackten Körperteile, wie sie munter durchs Mittelmeer treiben.

Doch statt Kettensägenmassaker erleben wir eine 100°-Wende. Sobald wir die Eingangshalle des Mietwagenunternehmens betreten, strahlt uns der junge Mann plötzlich charmant an, ist die Freundlichkeit in Person und will uns nichtmal eine Extra-Versicherung aufschwatzen. Und es kommt noch besser. Als er merkt, dass wir keinen blassen Schimmer haben, wie wir zu unserem Hotel kommen, das wir uns wegen der späten Ankunft gönnen wollten, schlägt er uns vor, uns den Weg zu zeigen. Er auf dem Moped, wir hinterher. Einfach so. Unser Held der ersten Nacht. Liebes Team von Marbenjo Car Hire: Gebt ihm eine Gehaltserhöhung. Und bringt auf eurem Hof gefälligst eine freundlichere Beleuchtung an.

Unser Hotel, das „Campanile Malaga„, ist etwa 2 Kilometer vom Flughafen entfernt und absolut in Ordnung. Ein typisches Business Hotel. Großer Parkplatz, sauber, gepflegt, ohne Schnickschnack, leckeres Frühstück. Und das ab 57 Euro die Nacht. Wer allerdings eine Abneigung gegen Frosch-Grün hat, sollte sich defintitv ein anderes Hotel aussuchen. (Und wer keine Tiefkühl-Pizza mag, sollte definitiv ein anderes Gericht auf der Karte wählen.) Geschlafen haben wir auf jeden Fall prima – und auch nicht vom Kettensägenmassaker geträumt.

Malaga – Estepona

Da wir uns keine weiteren Hotelnächte gönnen wollten, ging es mit einem kurzen Schlenker über den Decathlon in Malaga auf die N340 gen Süd-Westen. Bewaffnet mit einem neuen XXL-Zelt von Quecha (in Frosch-Grün) und Camping-Kocher.
Die N340 gehört meiner Meinung nach zu den schönsten Straßen des Landes, da sie durch viele kleine, niedliche Küstenorte führt, deren Straßen mit Palmen gesäumt sind. Perfekt für die ersten Urlaubstage, vor allem, wenn laut die Lieblingsmusik aus den Boxen schallt und große Abenteuer verheißt.

Unseren ersten Zwischenstopp haben wir im Camping Parque Tropical kurz vor Estepona eingelegt. Ein Ort, der nach Sonne, Strand und Meer klingt. Irgendwie idyllisch. Wie ein Stück vom Paradies. Tropical eben. Und laut Google ein Campingplatz direkt am Meer.

Tja, so tropisch wie vermutet war die Anlage dann aber leider doch nicht. Sie liegt zwar direkt an der Küste – allerdings getrennt von einer Autobahn. Wer zum Strand möchte, muss also durch einen engen Tunnel unter der Straße laufen, ein Stück an der Straße hoch und dann runter zum Strand, der auch nicht gerade paradiesisch ist. Tja, das war wohl nichts. Dafür war aber der Platz ansich ganz sympathisch. Das Personal ist super nett, es gibt einen Mini-Kiosk, in dem man das Nötigste kaufen kann, einen großen Pool und wir durften sogar gratis zwei Campingstühle ausleihen. Also: Wer nur kurz auf der Durchreise ist, ist hier prima aufgehoben. Wer das Paradies sucht, muss weiter gen Westen.

Nur wenige Kilometer vom Campingplatz entfernt liegt Estepona, ein hübsches Städtchen direkt am Meer. Parkplätze in Strandnähe sind hier Mangelware, aber dafür ist es wunderschön dort. Vor allem die Stranpromenade, an der man gesäumt von Palmen stundenlang entlang flanieren und Leute beobachten kann. Den Abend haben wir schließlich auf Empfehlung einer Freundin in der Beach Bikini Bar and Lounge direkt am Strand ausklingen lassen. Bei Bier und Burgern – nicht besonders spanisch, aber super lecker! Und der Ausblick ist himmlisch. Definitiv hingehen!

Estepona – Tarifa
Wer das Springen und Schwimmen in wilden Wellen liebt, ist am Mittelmeer, das meistens eher einer Riesen-Badewanne ähnelt, fehl am Platz. Nach einem langen Studium unseres Reiseführers haben wir uns darum schnell dazu entschlossen, Richtung Tarifa aufzubrechen. Dort seien die Wellen hoch, die Strände breit und menschenleer, nur Natur und Kitesurfer – verlockend. Also haben wir all unsere Pläne (Gibraltar)  über Bord geworfen und sind über die N340, die E15 und 1 Mio. Kreisverkehre bis nach Tarifa gefahren. 80 Kilometer, die größtenteil entspannt zu fahren sind, nur das kleine Gebirge vor Tarifa ist mit seinen Serpentinen nichts für schwache Nerven (und Mägen).

Kurz hinterm Ortseingang von Tarifa haben wir es dann endlich gefunden, unser persönliches Paradies. Den Campingplatz Rio Jara, der direkt am Kite-Strand und dem kleinen Flüsschen Rio de la Jara liegt. Der Platz ist relativ klein, sauber und ruhig. Unser Zelt durften wir direkt hinter einer kleinen Mauer aufstellen, die den Campingplatz vom Strand trennt. Man hört den ganzen Tag das Meeresrauschen, liegt im Schatten der Bäume, windgeschützt. Ein wunderbarer Ort – ihr seht, ich bin noch immer begeistert. Auf dem Platz selbst sind jede Menge Bullies und Kite-Surfer anzutreffen, die dort direkt vor der Haustür Platz, Wind und Wellen zum Surfen haben. Kein Wunder, dass wir schon am zweiten oder dritten Tag auch aufs Wasser wollten.

Am Strand haben wir die grüne Flagge (mit dem Frosch) von Kite Fun Tarifa gefunden, eine nette kleine Kiteschule, die einer jungen Bremerin und ihrem spanischen Freund gehört hat – der Klassiker. Ein 3-Tages-Kurs (12 Stunden) sollte pro Person ca. 240 Euro kosten. Nicht ganz billig, aber wenn man bedenkt, dass wir nur zu zweit waren und Unterricht in Muttersprache bekommen sollten, finde ich den Preis ziemlich in Ordnung. Aber sobald wir uns angemeldet hatten, passierte das, was eigentlich unmöglich ist: Kein Wind! Etwas, das in dieser Gegend NIE passiert. Karma und so… also hieß es erstmal warten und die Zeit mit Ausflügen füllen, z. B. zum wunderschönen Strand von Bolonia, der an einer Düne liegt, oder ins  schnuckelige Tarifa mit seinen vielen, kleinen Gassen, Bars und Lädchen. Wer Lust auf Nachtleben und Surfer Community hat, ist hier definitiv im Himmel!

Im Himmel ist übrigens auch jeder, der das Kiten ausprobiert, auch wenn es erstmal gruselig aussieht. Am ersten Tag haben wir eigentlich nur gelernt, den Lenkdrachen – also den Kite – zu lenken und zu kontrollieren. Starten, landen, ruhig halten, niemanden umbringen. Natürlich an Land. Ich muss sagen, dass ich eigentlich ziemlich gut darin war – so dachte ich zumindest, bis ich nach einem knackigen Ruck des Kites instinktiv die Bar – also die Lenkstange – an den Körper gezogen habe und ungefähr 15 Meter mit dem Gesicht voran über den Strand gezogen wurde und ordentlich Sang schlucken durfte. Schönen Dank auch. Aber wie sagte unsere Lehrerin so schön: „Kitesurfen ist ein Extremsport.“ Woraufhin ich mir ernsthaft die Frage stellen musste, wieso (zur Hölle) ICH Extremsport mache… Naja, am nächsten Tag ging es dann ins Wasser. Wir haben uns zuerst ganz entspannt vom Kite ziehen lassen, natürlich auf dem Bauch, nicht auf dem Brett. Denn das zu schaffen (Tag 3) ist wohl die größte Herausforderung an der Sache. Den Po nach oben zu drücken und gleichzeitig den Kite zu kontrollieren… schwierig. Aber bis heute bilde ich mir ein, dass ich mindestens zwei Meter weit gefahren bin (bevor ich mit dem Gesicht voran ins Wasser geklatscht bin). Wohoo!

Tarifa bis El Puerto de Santamaria
Etwa 90 Minuten entfernt von Tarifa liegt El Puerto de Santamaria, eine kleine Hafenstadt in der Nähe von Cádiz. Da es in Cádiz keine Campingplätze gibt – die Stadt liegt quasi auf einer Insel – haben wir dort unser Zelt aufgeschlagen. Der Campingplatz Las Dunas war schön. Bar, Restaurant, Supermarkt, Schwimmbad = alles da. Und vor den Türen des Platzes liegt direkt der Strand. Die Stadt selbst ist bekannt für gute Tapas und frischen Fisch. Wer möchte, kann abends zu Fuß in die City laufen, erst am Meer und dann links am Hafen entlang. Zurück mit dem Taxi. Am nächsten Tag haben wir uns dann einen Trip nach Cádiz gegönnt – und was soll ich sagen: tolle Stadt. Über eine Brücke geht’s vom Festland hinüber, danach folgt eine schier endlose Parkplatzsuche. Gut, dass es Parkhäuser gibt. Am schönsten ist eigentlich die Altstadt, die mehr oder weniger kreisförmig aufgebaut ist. Am besten läuft man erstmal am Strand und am Pier entlang, folgt dann der Stadtmauer und wuselt sich dann irgendwann du die engen Gässchen. Nehmt euch ruhig einen Tag Zeit oder bleibt über Nacht – hier ist es wirklich schön.

El Puerto über Sevilla nach Malaga
Tja, jeder Trip geht irgendwann zu Ende. Unseren Roadtrip haben wir im bezaubernden Sevilla beendet, worüber wir jedoch in einem Extra-Artikel schreiben möchten, da es viel zu viel zu sagen gibt. Zwei Tage kann man dafür locker einplanen – etwas mehr, wenn man auch Museen & Co. besuchen möchte. Und so haben wir uns schweren Herzens auf den Rückweg nach Malaga gemacht. Dank einer kleinen Autopanne wurde uns zum Glück nicht langweilig auf der Fahrt. Gut, dass es den ADAC gibt. Gut, dass es da Leute gibt, die Spanisch sprechen und mit dem Abschleppdienst reden konnten…

Am schönsten war es vermutlich in Tarifa. Der Campingplatz mit der kleinen Steinmauer hat einfach unsere Herzen erobert. Eines Tages werden wir hier ganz sicher noch einmal unser Zelt aufschlagen – und uns vielleicht auch nochmal an die Sache mit dem Kitesurfen wagen…

Schreibt uns, falls ihr auch einen Roadtrip durch Südspanien geplant oder gemacht habt! Wir sind immer offen für Gastbeiträge!

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