Loch Ness – ein magischer Ort

Wenn sich der Nebel über Loch Ness lichtet und den Blick auf die schottischen Highlands freigibt, scheint die Welt für einen Moment stillzustehen. Das Wasser schimmert in tiefdunklem Blauschwarz und schwappt leise vor sich hin. Die Hügel, die den See sanft umschmeicheln, strotzen vor saftigem Grün. Hier soll es wohnen, das berühmteste Mysterium der Welt, Nessie.

Der sagenumwobene Süßwassersee Loch Ness liegt etwa 20 Kilometer westlich von Inverness, der größten Stadt der schottischen Highlands. Vom Boot aus lässt sich die Region am besten entdecken, denn das „Loch“ ist größer, als man vermuten würde, nämlich rund 36 Kilometer lang und an seinertiefsten Stelle 230 Meter tief. Gleichzeitig ist der See jedoch nur rund 1,5 Kilometer breit, weshalb man während der Fahrt einen tollen Blick auf die dicht bewaldeten Hügel hat, die das Gewässer umgeben. Je näher wir der Mitte des Sees kommen, desto schwärzer wird es unter uns. Der Himmel zieht sich zu, ein leichter Wind kommt auf. Jetzt wäre der perfekte Moment für einen Seeungeheuer-Auftritt. Doch es bleibt ruhig.

John Askew ist der Kapitän meines Schiffs, der „Jacobite Queen“. Jeden Tag fährt er mehrmals über den See, von Inverness bis nach Urquhart Castle, eine alte Festung, die hoch über Loch Ness thront. Ob er Nessie schon mal gesehen hat, möchte ich wissen. Der Schotte zückt sein Smartphone. „Ja, ich habe tatsächlich etwas gesehen.“ Der rothaarige Schotte zeigt mir ein Foto seines Sonargeräts. „Das Gerät zeigt Bewegungen in der Tiefe an. In diesem Fall muss es etwas sehr, sehr Großes gewesen sein. So etwas haben wir noch nie gesehen.“ Ob es wirklich Nessie war, niemand weiß es. Auch Steve Feltham nicht, der berühmte „Nessie Hunter“, der seit vielen Jahren in seinem Wohnwagen am Dores Beach wohnt und jeden Tag mit seinem Fernglas Ausschau hält. „Ich glaube fest an Nessie“, erklärt der grauhaarige Hippie voller Überzeugung. „Irgendwas muss doch an all den Beobachtungen dran sein, oder?“

Mit dieser Überzeugung ist Steve Feltham nicht allein. In allen Örtchen rund um den See gibt es nur zwei Themen: Nessie – und natürlich Whisky, das Lieblingsgetränk der Schotten. In Inverness und am Loch Ness trinkt man am liebsten Single Malt von Tomatin, der nur wenige Kilometer entfernt traditionell destilliert wird. „Drei, vier Gläser davon und schon sieht jeder knorrige Ast, der auf dem Loch treibt, aus wie Nessie“, scherzt man hier abends im Pub bei Bier, Tanz und Livemusik.

Die Region rund um Inverness hat jedoch noch mehr zu bieten, wie das schottische Hochland. Glen Affric, ein 30 Kilometer langes Tal, ist von Bergen umrahmt. Mit seinen dunklen Seen, den Kiefernwäldern und der saftigen Heidelandschaft gehört das Naturreservat zu den schönsten Flecken Schottlands, nur 25 Kilometer westlich von Loch Ness. Neben der einzigartigen Natur gibt es hier viele historische Orte zu entdecken, das Eilean Donan Castle etwa im Westen des Landes oder Cawdor Castle im Osten, das noch heute von Lady Cawdor bewohnt wird und in den Sommermonaten für Besucher geöffnet wird.

Am letzten Tag steht noch ein wichtiger Punkt auf meiner To-do-Liste: Haggis probieren, das sind gehackte Innereien im Schafsmagen. Zugegeben, als mir das schottische Nationalgericht serviert wird, zögere ich noch. Doch schon nach dem ersten Bissen wird mir klar: Von gutem Essen – und Whisky – verstehen die Schotten etwas.

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