Cluburlaub auf Kreta. Ja, genau. Cluburlaub!

Cluburlaube sind eigentlich ĂŒberhaupt nicht mein Ding. Mir ist ein gut geplantes Abenteuer mit Zelt und Luftmatratze einfach lieber, als eine sterile Anlage, in der sich die Leute rund um die Uhr bedienen lassen. Aber hey, auch ICH lasse mich gern vom Gegenteil ĂŒberzeugen. Wer weiß, vielleicht ist es ja gar nicht so ĂŒbel im Cluburlaub und mein Zelt landet bald in den ewigen JagdgrĂŒnden…Als ich mit meinem Backpack in die eindrucksvolle Eingangshalle des Club-Hotels „Candia Maris“ auf der griechischen Insel Kreta stapfe, bin ich allerdings noch immer mehr als skeptisch. Passe ich hier wirklich rein? Doch das Personal strahlt mich an, als wĂ€re ich ab sofort ihr neuer Lieblingsgast und empfĂ€ngt mich mit einem herzlichen „Kalimera“, was „Guten Tag“ auf Griechisch heißt. Und ohne zu fragen wird mein Rucksack umgehend auf mein Zimmer getragen. Was für ein Service, den bin ich vom Campingplatz auf jeden Fall nicht gewohnt! Toll!

Aber ich bleibe trotzdem kritisch. Ich kenne schließlich all die Klischees, die Urlaubern in diesen Hotels anhaften: HandtĂŒcher auf den Pool-Liegen, feucht-fröhliche Bauch-Beine-Po-Kurse mit Pool-Nudeln, nervtötende Animation zu Chart-Musik am Beckenrand. Und dazu gibt’s nonstop bunte Drinks mit Schirmchen-Deko – all inclusive natĂŒrlich.

Griechischer Wein
Griechischer Wein

Um dieses Vorurteil zu ĂŒberprĂŒfen, mache ich mich – mit dem Schlimmsten rechnend – erstmal auf zum Pool. Und werde erneut ĂŒberrascht. Keine nervige Musik, jede Menge freie Liegen und alle HotelgĂ€ste sind tiefenentspannt: sonnen sich, lesen, hören Musik oder freunden sich mit ihren Liegen-Nachbarn an. Gut: In der Ferne machen ein paar GĂ€ste Aerobic, wĂ€hrend andere sich bei Yoga-Übungen verrenken. Aber wenn sie das weit weg von mir machen und nicht direkt vor meiner Nase rumhampeln, soll es mir egal sein. Aber so wie es aussieht, kann ich mich hier tatsĂ€chlich ganz entspannt zurĂŒcklehnen und faulenzen.

Von der Pool-Anlage sind es zum GlĂŒck auch nur ein paar Meter bis zum Meer. FĂŒnf Minuten, lĂ€nger bin ich nicht unterwegs. Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit bin ich wieder an einem Privatstrand. Und der Unterschied ist entscheidend. Es ist sauber und ruhig. Statt heulender Kinder hört man nur die  Wellen rauschen. Vor mir liegt das tĂŒrkisblaue Meer, links und rechts kilometerweiter weißer Sandstrand. Ich liege ganz entspannt auf einer blauen Liege, mein Hotel-Handtuch im Nacken, einen Sonnenschirm ĂŒber mir und einen bunten Cocktail in der Hand. Hallo Klischee, schön dich kennenzulernen. Ich glaube, du bist gar nicht so ĂŒbel, wie ich immer dachte.
Nach zwei Tagen Club-Idylle am Pool und am Strand treibt es mich zurĂŒck ins Leben. Irgendwann hat man halt einfach genug entspannt und jedes Club-GewĂ€sser mehrfach durchquert. Zum GlĂŒck ist Heraklion, die grĂ¶ĂŸte Stadt Kretas, nur wenige Kilometer entfernt. Zu Fuß schlendere ich mit einem Eis in der Hand durch die schnuckelige Innenstadt, die wirklich sehr charmant ist. Die bunten, regionalen MĂ€rkte und die kleinen LĂ€dchen sind genau mein Ding. Hier könnte ich ewig verweilen. Am besten gefallen mir jedoch der alte Hafen, in dem das Meer so schön tĂŒrkis schimmert, und die 4 Kilometer lange Festungsmauer, an der man stundenlang spazieren kann.

Als ich am Abend zurĂŒck ins Hotel komme, schnappe ich mir spontan noch ein Glas Rotwein, gehe an den Pools vorbei hinunter zum Strand und lasse mich in den Sand fallen. Die Wellen wiegen sich sanft hin und her und glĂ€nzen im Licht der untergehenden Sonne. Und ich bin plötzlich sehr, sehr glĂŒcklich, etwas Neues ausprobiert zu haben, was ich vorher abgelehnt habe. Cluburlaub wird vermutlich nie so ganz mein Ding sein, aber wer entspannen und sich verwöhnen und betĂŒddeln lassen möchte, ist hier genau richtig. Ab und zu kann man sich diese Art des Urlaubmachens ruhig mal leisten.

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