Barcelona in 5 Tagen

Wenn der Frühling nicht zu uns kommt, dann kommen wir eben zum Frühling. Noch schnell eine Unterkunft über Airbnb buchen, Rucksäcke packen und rein in den Flieger!

Unsere Wohnung liegt mitten im Gewusel der engen Gassen des Barri Gòtic. Obwohl in Barcelona selbst eher catalan gesprochen wird, bringt der Spanischunterricht zu Schulzeiten nun endlich doch noch etwas Gutes mit sich, denn schon damals lernten wir, dass an spanischen Häusern keine Namen, sondern Appartementnummern stehen. Somit stolpern wir sofort in die richtige Wohnungstür, wo wir von einem Freund unseres Hosts herzlich in Empfang genommen werden.

Ein kleiner Plausch, schnell umziehen und raus in die Sonne. Dank der perfekten Lage unseres Zimmers können wir einfach drauf los schlendern. Und was macht man in einer Stadt, die am Meer liegt, wenn die Sonne scheint? Natürlich: man geht erstmal zum Strand. Über die Rambla, vorbei am Hafen bis zum Kolumbus-Denkmal am Plaça Portal de la pau. Der Strand tut gut – die Füße im Sand, das Meer vor Augen und die Nase in der Sonne. Da kann man sogar die sich gegenseitig tätowierenden Jugendlichen ausblenden.

Also Kopf aus, Herz an

Gerade am Hafen gibt es unzählige Restaurants, die einem den Duft von frischen Meeresfrüchten quasi direkt unter die Nase reiben. Ohne Eile lassen wir uns durch die Gassen treiben und landen schließlich vor der Kathedrale von Barcelona, La Catedral de la Santa Creu i Santa Eulàlia. Genau zur richtigen Zeit, denn gerade öffnen sich die Türen und wir können ohne Eintritt zu zahlen, in dieses beeindruckende Bauwerk eintreten. Die Ruhe tut gut. Seltsam, wie andächtig und ehrfürchtig man doch immer wieder wird, in solch heiligen Hallen, obwohl man selbst mit der Kirche eigentlich nicht viel zu tun hat. Ein kleines Highlight der Kathedrale ist der angrenzende Innenhof, in welchem Gänse unter Palmen leben, die bestimmt nicht für den Weihnachtsbraten herhalten müssen.

Nach dem heiligen Besuch macht sich unser Appetit langsam aber sicher bemerkbar. Dank der kostenlosen offline Navi-App „here“ finden wir ruck, zuck zurück in zu unserer Wohnung und machen uns fertig zum Ausgehen. Ein nettes Restaurant ist schnell gefunden und da es draußen doch noch etwas frisch ist, entscheiden wir uns für einen Platz im Inneren des Lokals. Was übrigens auch finanziell keine allzu schlechte Idee ist, denn Terrassenplätze werden in Barcelona gerne mit einem Aufschlag von 10-15% versehen.

Der erste Abend im Land der Tapas und der Paella, was läge da ferner als entscheidungsunfreudig einfach beides zu bestellen. Dazu ein Glas Estrella vom Faß und wir sind kugelrund und glücklich. Zum Abschluss eines wunderbaren ersten Tages kehren wir noch ins Nevermind ein, eine nette Skatepunk Bar mit Craftbeer, guter Musik (sagt ja schon der Name: Nevermind – Titel des zweiten Studioalbums von Nirvana) und kaum Touristen.

Casa Batlló, Casa Millá, Turó del Carmel & Tinder-Pärchen

Bei strahlendem Sonnenschein und sogar in kurzen Hosen geht es am zweiten Tag zur Casa Batlló, einem der wunderschön gestalteten Häuser des katalanischen Architekten Antoni Gaudí (1852-1926). Die geschwungenen Formen, die verschiedenen Mosaike und die Balkone, die fast so aussehen wie Gesichter, sind wirklich einmalig. Wahrscheinlich sind es die Formen der Natur, die uns so ansprechen, weil sie uns einerseits so vertraut und dabei doch so ungewohnt im alltäglichen Großstadtdschungel sind. Nur fünf Minuten zu Fuß entfernt, stehen wir bereits vor der Casa Millá, welche durch ihre Rundungen und organischen Formen so natürlich wirkt und den heimeligen Hauch einer Höhle versprüht.

Ziemlich beeindruckt von diesen Meisterwerken der Architektur machen wir uns auf den Weg zum Turó del Carmel. Der Weg nach oben ist in der wärmenden Frühlingssonne zwar etwas anstrengend für uns untrainierte Großstädter, zum Glück wird uns dieser aber durch streckenweise vorhandene Outdoorrolltreppen erleichtert. Die kleine Wanderung durch die Natur und natürlich die Aussicht auf die Stadt belohnen einen aber letztendlich für den schweißtreibenden Aufstieg.

Nach dem Abstieg fahren wir wieder ins Zentrum. Im Stadtteil El Born finden wir versteckt in einem Hinterhof eine kleines Lokal, in welchem uns ein typisches 3-Gänge Mittagsmenü erwartet. Einfach lecker. Noch ein kleiner Espresso zum Abschluss und wir machen uns auf zum Arc de Triomf und dem angrenzenden Parc de la Ciutadella. Irgendwie unnütz so ein Triumphbogen, aber trotzdem total schön – erst Recht wenn man unter einer Palme in der Sonne sitzt.

Diesen Tag beenden wir in einer zuvor entdeckten Bar, der Sincopa. Neben dem selbst ernannten Graskönig aus Österreich lernen wir außerdem ein tindergematchtes französisches Pärchen kennen, das uns mit Mexiko-Reise-Tipps versorgt.

Sagrada Familia, Park Güell & David Bowie

Der dritte Tag startet mit einem echten Highlight, der Sagrada Familia. Dank der vorgebuchten Tickets funktioniert der Einlass ohne Probleme und Warteschlange. Schon von außen ist die römisch-katholische Basilika einfach nur beeindruckend, auch wenn sie mitten in einem Wohnviertel steht und keinen weitläufigen Vorplatz zum Bestaunen hat. Also rein mit uns und dann wow, diese Leichtigkeit und die Farben, die eine offene Wärme ausstrahlen. Auch hier finden sich die typischen natürlichen Formen Gaudís wieder, es wirkt fast als stünde man unter Bäumen in einem Wald zur schönsten Abendsonne. Man könnte tausend Worte über die Einzigartigkeit dieses Bauwerks verlieren und doch würde man das Gefühl nicht wiedergeben können, das man erlebt. Es ist einfach Wahnsinn zu was das menschliche Gehirn bzw. Gaudís Gehirn vor über hundert Jahren bereits im Stande war. Absolut beeindruckend – eine Kirche, wie ich sie bisher noch nie gesehen habe. Man kann gespannt sein, ob sie 2026 zum 100. Todestag Gaudís fertig sein wird.

Von der Sagrada Familia aus folgen wir der Av. de Gaudí bis zum Hospital de la Santa Creu i Sant Pau. Eine architektonisch wunderschöne Krankenhausanlage, in der man bestimmt schneller genesen wird als in so manch grauem Plattenbau.

So langsam verziehen sich auch die Wolken und die Sonne zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. Perfektes Timing, denn schließlich haben wir heute noch einen Termin im Park Güell. Auch hier empfiehlt es sich ganz klar online vorzubuchen, um den endlosen Schlangen zu entgehen. Bereits die frei zugängliche Parkanlage ist wunderschön, gerade für einen sonnigen Frühlingsspaziergang. Da wir mit dem Bus anscheinend am hinteren Eingang angekommen sind, starten wir direkt mit dem Postkartenmotiv Barcelonas. Die Türme der beiden Häuser, die aussehen wie die beste Kleckerburg unserer Kindertage und die vielen bunten Mosaike, ach Gaudí. Nicht nur schön, sondern auch praktisch, denn der gesamte Platz ist eingerahmt von organisch geformten Bänken, so dass wir einfach nur genießen können. Natürlich halten wir später auch an dem wohl bekanntesten Tier Gaudís, welches bereits einen eigenen Security Man hat und streifen weiter durch diese unwirklich scheinende Parkanlage.

Barcelona hat uns heute komplett in seinen Bann gezogen, einfach einzigartig, so surreal und einfach nur schön. Diesen tollen Tag beenden wir in der Manchester Bar im Barri Gòtic, mit David Bowie an der Wand und einem leckern Gin Tonic in der Hand.

Placa de Espanya, Barri Gòtic & Ziegenkäse

Wir wussten es von Anfang an und es hatte sich bereits am vorangegangenen Abend angekündigt: der vierte Tag in Barcelona beginnt mit grauen Wolken und Regen. Aber halb so wild, schließlich sind wir ja im Urlaub und tiefenentspannt. Also fahren wir zum Placa de Espanya. Von der Plattform der ehemaligen Stierkampfarena hat man einen tollen Blick auf das Museu Nacional d‘Art de Catalunya und auch wenn man direkt davor steht, ist es ein durch und durch beeindruckendes Gebäude. Von hier aus starten wir unsere kleine Tour auf dem Montjuïc, welche uns u.a. am Olympiastadion vorbei führt.

Auch bei Regen lohnt es sich übrigens durchs Barri Gòtic zu schlendern und dafür öfter in die kleinen Geschäfte hineinzugehen und sich ein wenig treiben zu lassen.

Den letzten Abend begehen wir in einem kleinen Tapasladen. Zumindest von außen dachten wir schon, es seien alle Tische belegt, doch weit gefehlt. Wir werden von einer lächelnden Kellnerin empfangen, die uns zu einem freien Tisch in die Untiefen des Restaurants leitet. Es ist schummrig und urgemütlich. Wir bestellen ein paar Tapas, wie beispielsweise den besten Ziegenkäse den ich je gegessen habe. Regen hin oder her – bei Tapas und Cerveza muss man einfach glücklich sein.

Sardana, Paella und ab nach Haus

An unserem letzten Tag in Barcelona scheint die Sonne endlich wieder. Ohne Ziel laufen wir durch die Gassen und landen schließlich an der Kathedrale, wo wir Zeugen gelebter Tradition werden – der Sardana. In mehreren Kreisen tanzen Gruppen zu Musik einer Liveband auf Vintage-Instrumenten – meist langsam tänzelnd, dann wieder hüpfend.

Man könnte ewig hier in der Sonne verweilen, doch leider drängt uns heute ein wenig die Zeit. Schließlich müssen wir noch eine abschließende Paella essen. Heute mal draußen in der Sonne auf dem Plaça Reial. Wir genießen das Essen, die wärmende Sonne im Gesicht und würden am liebsten einfach sitzen bleiben. Hier in dieser wunderschönen Stadt, die unsere Herzen in so kurzer Zeit im Sturm erobert hat.

Wir werden uns wiedersehen, Barcelona!

Und hier nochmal unsere Highlights:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.