Abenteuer Wüste

Wer den Oman von seiner schönsten Seite kennenlernen möchte, nimmt am besten den Jeep. Denn nur „offroad“ bekommt man abseits der bunten Hauptstadt Maskat auch die atemberaubende Landschaft des Sultanats zu sehen.

Unter dem Begriff „offroad“ konnte ich mir bisher ehrlich gesagt nicht wirklich etwas vorstellen. Klar, man fährt mit einem Jeep durch unweg­sames Gelände. Doch was offroad wirklich bedeutet, weiß man tatsächlich erst, wenn man drin sitzt und zum ersten Mal einen steilen Abgrund hinunterblickt. Denn genau so gestaltet sich unsere Tour durch das raue, unwegsame Al-Hadjar-Gebirge, das die Küste des Landes vom Inland trennt. Die Straßen sind kurvig, schmal und voller Geröll, der Jeep wackelt wie beim Rodeo – halleluja. Doch wie so oft im Leben gewöhnt man sich recht schnell daran – zum Glück. Die Angst weicht Nervenkitzel und Euphorie. Und sobald das geschehen ist, realisiert man auch die Schönheit der tiefen Schluchten. Um uns herum nichts als Berge, steinige Hänge und vereinzelt Büsche und kleine Bäume. Wahnsinn. Sogar Bergziegen hüpfen hier und da munter über das Gestein, als gäbe es hier weder Höhen noch Tiefen.

Nachdem wir die steinige Strecke durchs Gebirge hinter uns gebracht haben, geht es nach Nizwa, eine wunderschöne Oasenstadt und wirtschaftliches Zentrum der Gegend. Jeden Freitag reisen Beduinen aus allen Ecken der Region an, um hier auf dem Marktplatz ihr Vieh zu verkaufen. Ziegen, Schafe, Rinder und Esel werden auf Pickups in die Stadt gebracht und wechseln hier den Besitzer. Eine einzigartige Atmosphäre, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Hinter dem Marktplatz befindet sich der Souk, eine Art traditioneller Markt, auf dem verschiedene Händler ihre Waren anbieten. Silberschmuck, Krummdolche, hand­gefertigte Tontöpfe, frische und getrocknete Früchte und Gewür­ze in großen Säcken, es duftet nach Curry, Datteln und Weihrauch. Die Männer tragen tradi­tionelle Gewänder, sogenannte Dishdashas, und jeder scheint jeden zu kennen. In einem Dattel-Laden lässt mich der fröhliche Besitzer sogar sein komlettes Dattel-Sortiment kosten. Ich solle ja schließlich die mitnehmen, die mir am besten schmecken.

Am späten Nach­mittag erreichen wir schließlich den Ort, auf den ich mich am meisten gefreut habe: die Wüste Wahiba Sands. Mit dem Jeep über den weichen Sand zu fahren ist fantas­tisch. Der Wagen schlittert nach links und rechts, eine irre Achterbahnfahrt, die wahnsinnig Spaß (und kein bisschen Angst) macht. Mitten im Nirgendwo liegt hier das „Desert Nights Camp“, in dem wir die Nacht verbringen, bevor es am nächsten Tag zurück nach Maskat geht. Das Camp besteht aus mehreren Zelten, die am Fuße mächtiger Sanddünen stehen. Direkt vor meinem Zelt erhebt sich eine riesige Wüstendüne in den Himmel, das ist schon verrückt, wenn man sowas noch nie gesehen hat.

Als die Sonne langsam untergeht, fahren wir mit dem Jeep hoch auf die Spitze der Dünen. Damit der Wagen bis nach oben kommt und nicht im Sand stecken bleibt, muss man ordentlich Gas geben. Oben angekommen erwartet uns ein Postkarten-Motiv par excellence. Unberührte Sanddünen so weit das Auge reicht – wow. Als die letzten Strahlen auf uns fallen, funkelt der feine Sand in der Sonne – ein wunderschöner Moment. Ich bin mitten im Nirgendwo und spüre nur eines: absolute Ruhe. Genau so habe ich mir meinen ersten Offroad-Trip in die Wüste vor­gestellt.

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