São Paulo – Eine von 12 Millionen

Als Wahlhamburgerin bin ich ja so einiges gewohnt, was schlechtes Wetter angeht. Aber São Paulo hat sich wirklich extrem viel Mühe gegeben, meine Regen-Schmerzgrenze noch ein bisschen weiter zu strapazieren. Und das gleich bei der Ankunft. Kaum aus dem Bus gestolpert, muss ich in den unliebsamen Tiefen meines Rucksacks nach Rettungskleidung suchen. Und stelle fest: Außer einer dürftigen Regenjacke für den Notfall ist nicht viel zu holen.

Mit der U-Bahn geht’s vom Busterminal in den Stadtteil Vila Madalena. Das Streckennetz ist in São Paulo sehr gut ausgebaut und das Bahnfahren somit wirklich einfach, schnell und komfortabel. Kleiner Tipp: Es gibt keine Fahrkartenautomaten, sondern Verkaufsschalter. An beliebten Umschlagspunkten bilden sich also leider gerne mal ellenlange Schlangen, die man „durchstehen“ muss, um eine Fahrkarte zu ergattern. Daher am besten gleich mehrere Tickets kaufen, so spart man sich das ewige Anstehen, (das für ungeduldige Menschen wie mich eine echte Herausforderung ist).

Von den rund zwölf Millionen Einwohnern São Paulos habe ich erstmal nicht viel gesehen bzw. gehört, da wir abends angekommen und gleich ins Hostel gefahren sind. Aber das soll sich noch ändern, keine Sorge.

Das Hostel sprüht nicht gerade vor Leben. Statt Backpackern sind in Scheidung lebende 50-Jährige, die ihr Heim räumen mussten und nicht das Zimmer verlassende Studenten unsere Bettnachbarn. Das Gute ist, zumindest der Scheidungsmann hatte Spannendes zu berichten. Schließlich hat nicht jeder in dem Alter noch den Mut, auf diese Weise neu anzufangen. Wieder eine Lektion fürs Leben gelernt.

Hier geht’s zum Hostel Namoa Vila Madalena (ab 30 Real im Dorm): KLICK

Straßenkunst und reißende Fluten in Vila Madalena

São PauloAuf der Suche nach Nahrung (ja, es regnet immer noch), entdecken wir den sehr künstlerisch angehauchten Bezirk Vila Madalena. Graffitis an Stadtmauern sowie Häuserfassaden und hippe Lädchen für Speis und Trank sind eine angemessene Entschädigung für die unglaublich steilen Straßen, die man hinauf- und hinunterlaufen muss. Nichts für Lauffaule. Gleichmäßig ein- und ausatmen, um nicht in Schnappatmung zu verfallen, ist hier Programm.

Tipp: Coole Fotos vom Szene-Viertel findet ihr hier auf fotostrasse.com

Der Regen schlägt langsam aufs Gemüt, daher muss jetzt schleunigst ein Burgerladen her, um wenigstens mit leckeren Essen die Glückshormone aus dem Körper zu locken. Und während wir die zwar überteuerten, aber extrem leckeren Fleischbrötchen mit Pommes und Knoblauch-Mayo verspeisen, passiert, was sich eigentlich schon seit Ankunft angekündigt hat: Aus dem Nichts kommen Wassermassen vom Himmel, dass sich kaum jemand retten kann. Das Personal unseres Lokals muss mit ansehen, wie Stühle und Tische vom Wasser davongetragen werden (natürlich kommt keiner auf die Idee hinterherzulaufen, die Brasilianer haben da eher eine abwartende Haltung). Langsam wird es jedoch auch im Innenraum ungemütlich, das Wasser überschwemmt unaufhaltsam den Laden, da helfen auch ein paar Lappen an der Tür nichts, liebes Personal. Einzige Lösung, um hier wieder rauszukommen: Schuhe aus, Hose hochkrempeln, Taxi rufen und beten, dass dieser Plan aufgeht. (Ja, ist er, dank der unermüdlichen Taxifahrer).

Der zweite und auch schon letzte Tag in der Millionenmetropole beginnt nicht mit Regen. Hoffnung auf einen sonnigen Tag voller Unternehmungen macht sich breit (und wird in ca. zwei bis drei Stunden wieder völlig zerstört werden).

Die zwölf Millionen treffen mich völlig unerwartet und mit voller Wucht beim Verlassen der U-Bahnstation São Bento. Menschen, Marktbuden, Menschen, die etwas ungewöhnlich Großes transportieren, Verkäufer, Menschen, Läden voller Menschen, ah ja, erwähnte ich schon die vielen Menschen?

Das Warenangebot ist so vielfältig wie die Menschenmassen: Klodeckel, Puppenhäuser, Elektrogeräte aller Art und wirklich billig produzierte Kleidung sind nur ein Bruchteil des breiten Sortiments. Ein paar Besorgungen, Drängel-Manöver und einen Abstecher zum Municipal Market später machen wir uns auf die Suche nach einem Gebäude mit Aussichtsplattform. Ein Mal Skyline bewundern und zurück – so ist zumindest der Plan.

New York-Feeling – ganz umsonst

Leider stellt sich heraus, dass alle wirklich hohen Gebäude in der Stadt, die im Lonely Planet oder auf Reiseblogs empfohlen werden, entweder geschlossen sind oder gerade Bauarbeiten darin stattfinden. Die letzte Hoffnung auf den Panorama-Blick ist das Edifício Itália. Dass der Spass hier nicht kostenlos ist, war naheliegend, aber 30 Real (umgerechnet ca. 8 Euro)  – das ist zu viel. Aufgeben ist aber keine Option, schon gar nicht so kurz vorm Ziel. Also rein in den Aufzug und mal sehen, wie weit wir kommen. Und tatsächlich: bis fast ganz nach oben. Hier bittet uns eine Dame zur Kasse. Alternativ besteht aber die Möglichkeit, in der hochexklusiven Bar ein Getränk zu bestellen (das Günstigste kostet immerhin nur 17 Real). Ein echtes Schnäppchen, in das wir sofort einwilligen. Unser Glück: In der Bar kommt kein Kellner auf die Idee, uns auch nur anzusprechen, falscher Dresscode und so. In aller Ruhe lässt sich so die an New York erinnernde Aussicht genießen. Hier werden einem Größe und Macht der Stadt noch einmal richtig bewusst. Es reiht sich Türmchen an Turm, akkurat nebeneinander gesetzt. Ganz umsonst. Und absolut sehenswert.

Tipp via one-million-places.com: Angeblich kann man die Aussichtsplattform werktags zwischen 15 und 16 Uhr kostenlos besichtigen. Mehr von Sandra & Michael gibt’s hier: KLICK

Hatte ich schon erwähnt, dass es mal wieder regnet? Das macht die Erkundung São Paulos wirklich zu einer ernsthaften Herausforderung. Da bleibt einem ja fast nichts anderes übrig, als die Zeit in einem der vielen Cafés mit Kuchen, Empanadas und Co. zu überbrücken. Außerdem müssen die eingesparten 30 Real ja auch noch sinnvoll reinvestiert werden. Und was wäre da geeigneter als landestypische Köstlichkeiten?

Letztendlich hat aber auch das nicht geholfen, dem Regen zu entkommen (vorher hatte ich es schon mit beschwörenden Tänzen Richtung Himmel probiert – leider ohne Erfolg). Wir legen also notgedrungen eine Pause im Hostel ein.

Lachs in Liberdade

Die Dona Paulina

Ein absolutes Muss für mich als völlig sushivernarrte Person ist der Stadtteil Liberdade, das Japan-Viertel São Paulos. Geschrieben in Großbuchstaben steht da auf meinem Zettel: SUSHI (am besten all-you-can-eat).

Abends ist das Viertel leider längst nicht so belebt wie tagsüber. Ich muss mich also mit zwei großen Straßen voller Restaurants und Bars zufriedengeben. Von einem All-you-can-eat-Angebot ist leider weit und breit keine Spur. Dafür gibt es viele Restaurants mit Sushi in kleinen Portionen. Aber am Ende kann ich auch das als Gaumenschmaus verbuchen. Hauptsache der Lachs lugt aus der Rolle.

 

 

 

 

 

Beitragsfoto: Pixabay.com by Pexels

2 Kommentare zu „São Paulo – Eine von 12 Millionen“

  1. Hallo Paulina,

    schade, dass Du so schlechtes Wetter hattest. Wir waren zwar nur kurz in Sao Paulo, hatten aber grandioses Wetter 🙂

    Als kleine Ergänzung zu Deinem Beitrag: Die Aussichtsplattform der Edificio Italia kann man werktags zwischen 15 Uhr und 16 Uhr kostenlos besichtigen. So war es zumindest bei uns. Hier findest Du unsere Fotos und wir freuen uns über einen Gegenbesuch.

    https://one-million-places.com/reiseberichte/suedamerika/brasilien/sightseeing-sao-paulo

    Viele Grüße
    Michael & Sandra

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