Foz do Iguaçu – auf alle Fälle

Foz do Iguaçu und Wasserfälle, Wasserfälle und Foz do Iguaçu. Wie man es auch dreht und wendet, diese Stadt ist so eng mit den herunterprasselnden Wassermassen verbunden, dass keine andere Attraktion dazwischen passt. So darf man sich nicht wundern, dass der einzige überfüllte Stadtbus (Linie 120) Richtung Cascadas fährt.

Alle Backpacker-Gespräche drehen sich hier um die eine entscheidende Frage: Soll man die Wasserfälle sowohl auf brasilianischer als auch auf argentinischer Seite ansehen oder reicht eine der beiden Varianten? Gleich vorweg: Ich habe auf diese Frage leider auch keine allgemeingültige Antwort. Ich für mich kann aber sagen, dass ein Besuch ausreicht. Die Entscheidung fällt für mich aber auch deshalb so aus, weil ich durch meine Reisen schon viele, mal mehr mal weniger beeindruckende Wasserfälle gesehen habe. Ich bin der Meinung, jeder muss für sich selbst klären, wie spektakulär und einzigartig dieses Naturphänomen ist und wie viel Geld und Zeit man investieren möchte. Fest steht: Auf brasilianischem Boden hat man einen umfassenden Panoramablick auf die Wasserfälle, man sieht sie in ihrer ganzen Naturgewalt. In Argentinien hingegen ist man eher Teil des Wassers, man wandert über und unter ihnen, ist ganz nah dran.

Da meine Route durch Brasilien verläuft und weiter nach Paraguay führt, wollte ich nicht eigens dafür die argentinische Grenze überqueren, somit stand fest: es werden die Cascadas und nicht die Cataratas (wie sie im Argentinischen heißen).

Der Nachtbus aus São Paulo lädt uns ziemlich früh am Terminal ab. Da wir keine Zeit verlieren wollen, gibt’s einen kurzen Stopp im Hostel, inklusive Frischmachen. Dann heißt es: Auf die Fälle, fertig, los! Mit dem lokalen Bus dauert die Fahrt zum Eingang des Parks 20-30 Minuten. Nicht wundern: Der Bus lässt einen vor dem Vogelpark raus. Wir dachten dank unserer Nachtbus-Trance, das sei schon der richtige Park. Aber Fehlanzeige: Der Eingang zu den Wasserfällen ist ein Stück weiter die Straße hinauf. Aber der Vogelpark wäre bestimmt auch schön gewesen.

Die ganz einfachen Tickets ohne Wald- oder Bootstouren gehen schon ein bisschen ins Geld (17,50 Euro pro Person, siehe hier: KLICK). Gleich nach dem Bezahlen wartet dann auch schon der heißgeliebte Touri-Doppeldecker-Bus auf einen. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, in diesem Park auf unberührten Naturpfaden zu wandeln. Alles ist ganz genau organisiert und vorherbestimmt. Bei der Endstation des Busses beginnt der Weg, den jeder Besucher gehen muss, bis hin zur Aussichtsplattform als letztes Highlight.

Beim Laufen begegnen einem immer wieder Nasenbären, die besonders durch das Rascheln von Plastiktüten angelockt werden. Daher Essen und Trinken unbedingt in einem geräuschlosen Rucksack mitnehmen. Und nicht wie wir, in einer Einkaufstüte, die gemeinsam mit meinem Freund Tobi schnell zur Zielscheibe der Tierchen wurde. Proviant adieu.

Je nachdem wie fotoverrückt man ist, dauert der Rundgang ein bis zwei Stunden. Wenn man ganz gemütlich schlendert und zwischendurch genüsslich die Kämpfe zwischen Besuchern und Nasenbären beobachtet, verfliegt die Zeit schneller als bei jeder Netflix-Serie (ja, auch die mit hohem Suchtfaktor). Die vorgegebene Route bietet extrem schöne und unterschiedliche Perspektiven auf die Wasserfälle. Da hat die Natur wirklich ganze Arbeit geleistet. Mit ein bisschen Glück sieht man sogar den ein oder anderen Regenbogen zaghaft strahlen. Ein langer Steg kurz vor Ende des Pfades bietet nicht nur die Möglichkeit, so richtig nass zu werden, sondern ist auch der einzige Moment, die Wassermassen aus nächster Nähe zu bewundern. Der Ameisenfleck, an dem sich die meisten Menschen tummeln, ist der Teufelsschlund. Oder gefährlicher formuliert: Garganta del Diablo. Gäbe es hier einen Pakt mit dem Teufel, er hätte ein Smartphone-Donnerwetter ausgelöst. Kein Verlass, nicht mal auf das Böse.

Bevor es zurück in den Doppeldecker-Bus geht, fährt man mit dem Aufzug in die Höhe (natürlich nicht, ohne sich vorher anzustellen). Belohnt wird man oben mit einem Gitterboden aus Metall (gar nicht meins, weil die Höhenangst durchkommt) und einem letzten, mehr oder minder intimen, Augenblick mit diesem Naturreich. Zeit, die vielen aufpoppenden Gedanken zu sortieren, die mir neben dem Gefühl von Ehrfurcht immer in den Kopf kommen, wenn ich Naturphänomene wie diese sehe: ,,Sind die Foz do Iguaçu Wasserfälle schon immer da? Und wenn nicht, wie entstehen sie dann? Hat sich die Natur etwas dabei gedacht oder einfach alles ZuFall?“ Die ein oder andere Antwort lässt sich sicher herausfinden, aber manches bleibt eben auch der Fantasie überlassen. Und das ist auch gut so.

Auf alle Fälle: Ein gewaltiger Wasservorhang, den man sorgfältig auf die Stange der schönen Erinnerungen fädeln muss.

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